Dienstag, 6. Juli 2010

Noch 12 Tage: Versprechen und Fakten zum Volksentscheid

Viele Hamburger Bürger sind verunsichert: Der Hamburger Schulstreit ist unnötig, so kritisierte mitten im Endspurt zum Volksentscheid Deutschlands bekanntester Bildungsforscher und Pisapapst die Primarschulpläne im Spiegel vor zwei Wochen. Christa Götsch und der Schwarz - Grüne Senat dagegen erklären immer wieder, die Primaschule bringe viele Vorteile.

Viele Hamburger fragen sich, was stimmt? Was ist für unsere Kinder das Beste?

In diesem Blog wollen wir das überprüfen. Tag für Tag werden wir bei Kernaussagen der Schulreformer nachhaken. Was sind Versprechen, was sind Fakten? Was sagen Experten, Wissenschaftler und Praktiker?
 
Weil es so wichtig ist und weil es dazu viele Nachfragen gibt:

Heute geht es noch einmal um die 1. Kernaussage der Primarschulreformer. Die Frage: Was sagen namhafte Wissenschaftler wirklich?

Lesen Sie den Faktencountdown zur Hamburger Schulreform:
 

1. Kernaussage der Primarschulreformer:


Dies behauptet die Bürgerschaft in der Wahlbroschüre, die allen Hamburger Wählern zum Volksentscheid zugeschickt wurde. Darin findet sich die "Die Stellungnahme der Bürgerschaft zu ihrer Vorlage", in der es heißt:

"Alle Fraktionen der Hamburgischen
Bürgerschaft und nahezu alle namhaften Erziehungswissenschaftler sind sich einig, dass längeres gemeinsames Lernen der wichtigste Schritt hin zu einer gerechteren und leistungsstärkeren Schule ist."


nachzulesen in:
Stellungnahme der Bürgerschaft,
zur Information hier auch die Stellungnahme von "Wir wollen lernen":
Stellungnahme der Initiatoren
Hier der genaue Wortlaut der Kritik des namhaftesten deutschen Erziehungeswissenschaftlers und Pisapapstes Prof. Jürgen Baumert, Direktor am Max- Planck- Institut für Bildungsforschung in Berlin, im Spiegel vor drei Wochen:

"SPIEGEL: Sie beobachten die Bildungspolitik nun schon seit Jahrzehnten. Den größten Streit gibt es immer um die Frage, ob man Kinder schon nach vier Jahren trennen sollte. Früher wurde über die Gesamtschule debattiert, derzeit steht in Hamburg ein Volksentscheid unter anderem über die sechsjährige Grundschule an. Was sagt der Bildungsforscher dazu?
BAUMERT: Also, ich sag's mal ganz offen: In Hamburg wird für mich ein völlig unnötiger bildungspolitischer Streit ausgetragen.
SPIEGEL: Warum?
BAUMERT: Der Kern der Reform ist ja die Vereinfachung der Schulstruktur im Sekundarbereich. Die Zusammenführung von Haupt- und Realschule zu einer einzigen Schule neben dem Gymnasium war in allen Ballungsgebieten überfällig, um die Konzentration der schwierigsten Schüler in wenigen Schulen zu vermeiden. Dies ist ein wichtiger Beitrag zur Verbesserung der Bildungsgerechtigkeit. Zweigliedrigkeit war überfällig, und sie war politisch und historisch möglich. Aber musste man gleichzeitig den Streit um die Gymnasien beginnen und auch noch das humanistische Gymnasium antasten?
SPIEGEL: Hamburgs schwarz-grüner Senat sagt: ja. Denn sechs Jahre gemeinsames Lernen brächte viele Vorteile gegenüber der vierjährigen Grundschule.
BAUMERT: Mag sein, aber belastbare empirische Evidenz für die Wirkungen einer zweijährigen Verlängerung der Grundschule kenne ich nicht."

nachzulesen im Spiegel-Interview

Die Frage, ob das gemeinsames Lernen in gemischten Lerngruppen Vorteile gegenüber getrennten, homogenen Lerngruppen bringt, beantwortete im März Prof. Dieter Neumann, Institut für Schul- und Hochschulforschung der Universität Lüneburg:


"Die wenigen, weil untersuchungstechnisch schwierigen empirischen Studien zu den Effekten homogener und heterogener Lerngruppen von Rossbach, Heller und Weinert kommen übereinstimmend zu dem Ergebnis einer Überlegenheit homogener Lerngruppen.."

nachzulesen im Landtagsprotokoll