Für Spätentwickler ua. gebe die sechsjährige Grundschule zwar Aufschub für weitere Entscheidung und Einsicht. Leistungsstarke würden jedoch zurückgehalten, für sie gäbe es bei längerem gemeinsamen Unterricht nicht genügend Herausforderungen, sie würden nicht genügend gefördert.
Doch Christa Götsch und der schwarz-grüne Senat verweisen immer wieder auf andere Länder. Fast überall werde länger gemeinsam gelernt, sagen sie, und begründen damit ihre Primarschulpläne.
Doch sind die Länder mit längerem gemeinsamen Lernen auch besser? Was ergeben Vergleichstests? Damit Sie sich selbst ein Bild machen können, wird hier heute noch einmal nachgehakt:
Lesen Sie den Faktencountdown zum Hamburger Volksentscheid:
6. Kernaussage der PrimarschulreformerDies schreibt die Schulbehörde unter dem Titel: "Argumente für die Schulreform" "Bei den Leistungen ihrer Schülerschaft schneiden viele Bundesländer deutlich besser ab als Hamburg. Bei den Bildungschancen jedoch sind sie international nur Durchschnitt. In Hamburg werden mit der Schulreform die Leistungen und die Chancen gleichermaßen erhöht." nachzulesen in: Argumente für die Schulreform | Dazu die Ergebnisse des neuesten Bildungsberichts vom Juni, dem Nachfolger der Pisatests. In diesem Ländervergleich wurde u.a. die Frage der Chancengerechtigkeit untersucht, also des Zusammenhangs von Kompetenzen und sozialer Herkunft in allen Bundesländern. Man spricht dabei von "sozialen Disparitäten", gemeint sind damit Abweichungen bei den Leistungen der Schüler, die sich durch die soziale Herkunft ergeben. Besonders interessant die Ergebnisse der Länder, die bereits die sechsjährige Grundschule haben. Es ging um Lesen, Zuhören und Orthographie im Fach Deutsch: "Im Kompetenzbereich Lesen liegen die in den Ländern Brandenburg, Hamburg, Berlin und Bremen erzielten Leseleistungen signifikant unter dem deutschen Mittelwert... Im Kompetenzbereich Zuhören ....Die in den Ländern Mecklenburg-Vorpommern, Hessen, Schleswig-Holstein, Thüringen,dem Saarland, Brandenburg sowie in den Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen erzielten Leistungen liegen ...statistisch signifikant unter dem deutschen Mittelwert.. Bei Berlin zeigt in beiden Kompetenzbereichen die stärksten Disparitäten. (Chancenungerechtigkeit) Über 16 Prozent im Lese- und 15 Prozent im Zuhören können durch die soziale Herkunft der Eltern erklärt werden... Signifikante Abweichungen ....nach unten ergeben sich für Brandenburg im Lesen und für Sachsen und Schleswig-Holstein im Zuhören." Auch nachzulesen in: "Sprachliche Kompetenzen im Ländervergleich" eine Studie der Humbold Universität Berlin Dazu heute die ZEIT in: "Der Glaubenskrieg. Sollen Schüler länger gemeinsam lernen? So will es die Politik in Hamburg und NRW. Der Schaden wäre groß" "Das »längere gemeinsame Lernen« werde, so die Überzeugung seiner Unterstützer – ... mehr Bildungsgerechtigkeit schaffen. Allein - es gibt keinen Beleg dafür, dass dieses Ziel durch längeres gemeinsames Lernen erreicht wird. ... Die Niederlande und Belgien etwa verfügen über eine sechsjährige Grundschule und sind, wie die Pisa-Studie zeigt, sozial noch ungerechter als Deutschland. Und welches Bundesland zeigte sich bei dem jüngsten Ländervergleich der Schülerleistungen als das ungerechteste? Es war Berlin, wo die Kinder sechs Jahre lang gemeinsam die Grundschule besuchen. Dort ist die Leseleistung der Schüler, wie es die Bildungsforscher formulieren, am stärksten an ihre soziale Herkunft gekoppelt." Professor Volker Ladenthin,s.o., ist Bildungsforscher. Er lehrt Historische und Systematische Erziehungswissenschaft an der Universität Bonn. |