Wie es scheint, will Hamburgs Bürgermeister die Entscheidung der Bürger, die er regiert, gar nicht abwarten. Er will kurz vor der Schließung der Wahllokale und auch vor Auszählung der Stimmen zum Volksentscheid zurücktreten. Das Volk, so signalisiert er damit, entscheidet nicht über sein Schicksal, er entscheidet selber.
Die Frage ist, warum tritt Ole von Beust zurück? Was ist schiefgelaufen? Was hat er falsch gemacht?
Eine wichtige Antwort darauf hat uns der Pädagoge, Lehrbeauftragte an der Uni Göttingen und langjährige Gesamtschulleiter, Peter Brammer, gegeben. Er wurde in diesem Blog schon vor einigen Tagen erwähnt, im Zusammenhang mit seiner Studie über das verlängerte gemeinsame Lernen in der Orientierungsstufe in Niedersachsen.
In dieser Studie* hatten Brammer u.A. die Folgen der Abschaffung der verlängerten gemeinsamen Lernens in der 5. und 6. Klasse in der sog. Orientierungsschule in Niedersachsen untersucht. Diese Orientierungsschule war in Niedersachsen 1980 eingeführt und nach 24 Jahren 2004/5 wieder aufgelöst worden. Peter Brammers kam in seiner Untersuchung zu dem überraschenden Ergebnis, dass das längere gemeinsame Lernen in der 5. und 6. Klasse die Chancengleichheit sogar "verhindert", "gerade für die Schülerklientel, der sie von ihrer bildungspolitischen Intention her zu mehr Chancengleicheit verhelfen soll."
Doch genauso wichtig, wie dieses überraschenden Ergebnis, war dem erfahrenen Pädagogen Peter Brammer etwas anderes: Dies betonte er in seiner Zusammenfassung der Studie und noch einmal in unserem Gespräch über die Primarschulpläne von Ole von Beust und Christa Götsch und den bevorstehenden Volksentscheid.
Sein Statement gibt einen Hinweis darauf, was Ole von Beust, Christa Götsch und die schwarz grüne Koalition bei ihren Reformplänen falsch gemacht haben!
Lesen Sie den vorletzten Eintrag im Faktencountdown zur Hamburger Schulreform:
Peter Brammers wichtiger Hinweis auf einen Grundfehler, den Ole von Beust und die Primarschulreformer bei ihren Reformplänen gemacht haben:
"Am Beispiel der Entwicklung der Göttinger „Schullandschaft“ können wir nachweisen, dass ein solcher Schulentwicklungsprozess, soll er erfolgreich sein, in einem diskurvsiven ...(das heißt, in einem gleichberechtigten, sich gegenseitig respektierenden Austausch aller Betroffenen, also unter Einbeziehung der Eltern!).... Prozess organisiert werden muss. Eine auf Konflikt zielende Schulentwicklung ist zum Scheitern verurteilt. Sie ist schon in sich widersprüchlich."
* siehe dazu auch: P. Brammer, „Eine Schullandschaft in Bewegung – Schulentwicklung in Göttingen- Studie über die weiterführenden Schulen im Sekundarbereich I und II – Stand: Schuljahr 2009-2010)."