Samstag, 17. Juli 2010

Weniger als ein Tag bis zur Schließung der Wahllokale: Versprechen und Fakten zum Volksentscheid

Wie es scheint, will Hamburgs Bürgermeister die Entscheidung der Bürger, die er regiert, gar nicht abwarten. Er will kurz vor der Schließung der Wahllokale und auch vor Auszählung der Stimmen zum Volksentscheid zurücktreten. Das Volk, so signalisiert er damit, entscheidet nicht über sein Schicksal, er entscheidet selber.

Die Frage ist, warum tritt Ole von Beust zurück? Was ist schiefgelaufen? Was hat er falsch gemacht?

Eine wichtige Antwort darauf hat uns der Pädagoge, Lehrbeauftragte an der Uni Göttingen und lang­jährige Gesamtschulleiter, Peter Brammer, gegeben. Er wurde in diesem Blog schon vor einigen Tagen erwähnt, im Zusammenhang mit seiner Studie über das verlängerte gemeinsame Lernen in der Orien­tierungs­stufe in Niedersachsen.

In dieser Studie* hatten Brammer u.A. die Folgen der Abschaffung der verlängerten gemeinsamen Lernens in der 5. und 6. Klasse in der sog. Orientierungsschule in Nieder­sachsen untersucht. Diese Orientierungsschule war in Niedersachsen 1980 eingeführt und nach 24 Jahren 2004/5 wieder aufgelöst worden. Peter Brammers kam in seiner Untersuchung zu dem überraschenden Ergebnis, dass das längere gemeinsame Lernen in der 5. und 6. Klasse die Chancengleichheit sogar "verhindert", "gerade für die Schülerklientel, der sie von ihrer bildungspolitischen Intention her zu mehr Chancengleicheit verhelfen soll."

Doch genauso wichtig, wie dieses überraschenden Ergebnis, war dem erfahrenen Pädagogen Peter Brammer etwas anderes: Dies betonte er in seiner Zusammenfassung der Studie und noch einmal in unserem Gespräch über die Primarschulpläne von Ole von Beust und Christa Götsch und den bevor­stehenden Volksentscheid.

Sein Statement gibt einen Hinweis darauf, was Ole von Beust, Christa Götsch und die schwarz grüne Koalition bei ihren Reformplänen falsch gemacht haben!

Lesen Sie den vorletzten Eintrag im Faktencountdown zur Hamburger Schulreform:

Peter Brammers wichtiger Hinweis auf einen Grundfehler, den Ole von Beust und die Primar­schul­reformer bei ihren Reformplänen gemacht haben:

"Am Beispiel der Entwick­lung der Göt­tinger „Schul­land­schaft“ können wir nach­weisen, dass ein solcher Schul­entwick­lungs­prozess, soll er erfolg­reich sein, in einem dis­kurvsiven ...(das heißt, in einem gleich­berech­tigten, sich gegen­seitig respek­tieren­den Austausch aller Betrof­fenen, also unter Einbeziehung der Eltern!).... Prozess organisiert werden muss. Eine auf Konflikt zielende Schul­entwicklung ist zum Scheitern verurteilt. Sie ist schon in sich wider­sprüchlich."

* siehe dazu auch: P. Brammer, „Eine Schullandschaft in Bewegung – Schulentwicklung in Göttingen- Studie über die weiterführenden Schulen im Sekundarbereich I und II – Stand: Schuljahr 2009-2010)."